· Philosophischer Nacht- und Sonntagsdienst ·

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Dann eben nie

Wie der Verzicht so ganz und gar unser Leben prägt, und wenn der Verzicht moralisch ist, (was er aber ohnehin fast immer ist), dann ist er es als Konsumverzicht.

  • Die AGBs, die man nicht liest, niemals bestätigen,
    • damit ist das Web-Internet raus.

Das Web im Internet ist ein eigener Dienst, der der Werbeindustrie gehört.

  • Alle relevanten Dienste sollte man RSS oder als Textmodus-Browser besuchen.

Was intrinsisch ist,

ist, daß der normale Mensch per se alle Wunder bekommen kann, die er sich wünscht.

  • Das geht natürlich nur mit Übung und viel Hilfe.

Aber es ist ausgemacht, daß er es immerzu zustande bringt.

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180408.html

Was unser Leben betrifft

in seiner ganzen Unverständlichkeit, Falschheit und medialer Lüge,

  • ist das eine Kapitalismusfrage?
    • Oder ist das die Menschheitsfrage per se?

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180407.html

* Die romantische Liebe

ist unteilbar, weil es die Liebe zu Gott bedeutet,

  • allerdings in der Form eines heterosexuellen Gegenübers auf der hiesigen Erde.
  • Menschen können mehrere andere Menschen zugleich lieben, sie müssen es nur in ihrer Sprache bereden können,
    • wenn es nicht mit allzuviel Verletzung einhergehen soll.
      • aber es ist ja selten ein Gott dabei.
  • Wobei der christliche Gott ja immer aus drei Teilen besteht.

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180329.html

Die Erlaubnis für ein Doppelleben,

die braucht niemand, der das haben will. Es ist so schrill, und dennoch lustig oft vorhanden.

  • Sowas sollte man natürlich bedenken.
    • Daß am Ende unserer Zivilisation die Doppelbödigkeit gewinnt gegen den Gemeinsinn,
      • das ist schon eine markante individuelle Schizophrenie
        • bei fast allen uns Menschen.

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180323.html

Einen Roman schreiben, so nach der üblichen Art

so viel Genres gibt es ja nicht,

  • und dann aber die Protagonisten umgendern.

Das könnte was gutes werden.

Es gab Filme der Nouvelle Vague in den 70ern, die das als Film gemacht haben. Aber unsere Verlage sind längst noch anfällig für diese Idee.

#dummerhashtagderaufdieLeipzigerBuchmesseverweistundwohlkaumgenutztwerdenwird

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180317.html

Eine Tinder-Affäre

Eine freundlich-sensible Frauensprache trifft auf eine höflich-gebildete literarische Germanistensprache, und beide amüsieren sich bis zum RL-Treffen miteinander in der Sprachwelt. Daraufhin entsteht eine Beziehung im wirklichen Leben. Die Fotos wurden natürlich vorher gemocht.

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180318.html

Kein Mensch

lebt gut ohne soziale Eingebundenheit. "Soziale Eingebundenheit", das ist Freundlichkeit im direkten Umfeld und grundsätzliche solidarisches Mitdenken der anderen Menschen im Allgemeinen. Weil mancheiner das halt kann.

  • Wer das kann, dem geht es gut als Mitmensch.
  • Wer das nicht kann, dem geht es gut als Unmensch.

Schlecht gehen tut es ohnehin niemandem, bis auf diejenigen, denen das Unglück des Krieges oder der Armut passiert.

Aber das ist dann kein Mensch mehr in der Staatsräson.

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180311.html

Was man noch sagen dürfen muß:

Ich bin ja für die Menschheit, aber

  • (Einige meiner besten Freunde sind Menschen. Aber halt…)

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180308.html

Nachdenken über den Begriff des Piraten

weit in der Zeit vor der Erfindung des globalen monetären System, das danach die Piratentätigkeit in den Bankhäusern abstrahierte und vervollkommnete. Man muß die moderne Zeit nur richtig verstehen, um das Mittelalter in uns als das ständig Neueste einzuschätzen. Viel weiter sind wir noch nicht in den Männerdomänen der Geldwirtschaft.

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180304.html

Die Entpersönlichung

findet ja immer im Kommuniusmus statt, sagten die Kaptitalisten in ihrer Kulturindustrie, die die Menschenrechte wahren wollten und das wahre Leben gegen das falsche Leben wahrten.

Aber in den social media-Web-Auftritten sieht man eben nur noch die entpersönlichten Vertreter von einer Botschaft. Die Angst vor den Sprachzombies, die einem zum Sprachzombie macht.

Ich sehe nur einen Ausweg: Abschaltung des Web.

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180303.html

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

  • Freiheit

Die Arbeitswelt, in der jeder sein Auskommen sucht, wird durch Konzerne so optimiert, daß nicht mehr die Arbeit bezahlt wird nach ihrem Wert, sondern die Kapitalisten und Anteilseigner der Konzerne daran nutznießen. Die Arbeitsleistung wird weitergegeben, und die Arbeit wird immer geringer chgesätzt, aber unbedingt benötigt. Das klappt ja nur, wenn man Sklaven dazu bestellt. Aber wer will schon Sklave sein? Daher funktioniert so ein System natürlich niemals. Es gibt die Freiheit, niemals mitzumachen.

  • Gleichheit

Daß jeder Mensch seine Daseinsberechtigung hat, ist vollkommen klar. Frühere Völkermorde kann es nicht mehr geben. Die Menschen haben alle die gleiche Existenzgrundlage und daher denselben Wert. Kein ehrlicher Mensch, der sich selbst erkennt, würde das bezweifeln, daß er nur eine Ausprägung dessen ist, was wir alle sind: erstaunlich gleich in der Beschaffenheit.

  • Brüderlichkeit

Mit wem sollte man sich denn brüderlich geben? Als Nation? Als Familie? Als soziale Gruppe? All dies eher lieber nicht. Sondern höchstens vielleicht als die Gruppe derer, die gemeinsam für einen gerechten Staat der gleichen und freien sind. Ein Gemeinschaftsgefühl die Entwicklung der Gesellschaft dorthingehend, wo jeder gleich und frei ist und in dieser Freiheit deshalb keine Zweiklassengesellschaft einführen will.

https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180223.html

Das ist ja alles nur, weil

  • wir nichts wissen können.
  • die Formalsprachen viel zu kompliziert sind.
  • die Methode und Aussagekraft der Wissenschaft nichts erreichen und fast nichts verändern.
  • der wabernde Organismus des Lebens des ordnenden Denkens viel zuweit voraus ist, selbst dort, wo Sprache ist.
  • das, was spricht und sprechen kann, niemalen nur der Menschheit eigen ist.

[[https://philosophischer-nacht-und-sonntagsdienst.de/180219.html]

Le grand Bleu in Völklingen

Die Saar: jenes zweihundert und fünfzig Kilometer lange Band in der mitteleuropäischen Landschaft, welches wir so gerne als ein blaues Band ansprechen wollten, wenn es nur richtig wäre. Blau ist es aber bestenfalls in der Gegend zwischen Lörchingen, wo die weiße mit der roten Saar zu- sammenfließt, und Saargemünd, der Grenzstadt; denn weiter stromabwärts geht die Farbe nach und nach, aufgrund welcher Einleitungen auch immer, ins leblos-bräunliche über; und selbst im umrissenen Bereich läßt sich die Bläue nur an manchen sonnigen Frühlingstagen von jemandem feststellen, der danach sucht und der einen gewissen Blick dafür mitbringt. Jedenfalls bestehen wir auf dem Ausdruck, daß genannter Fluß ein Band sei. Das ist sehr poetisch und nimmt auch den nüchternen Fakten ein wenig von ihrer aufdringlichen Konkretheit. Ein Band also, nicht übermäßig lang, wenn man bedenkt, daß es sich um einen Fluß handelt; wäre es aber zum Beispiel eine Aneinanderreihung von Buchstaben, so könnte man auf zweihundertfünfzig Kilometern Einiges sagen und ganz bequem eine auch längere Kurzgeschichte darin unterbringen. Nehmen wir es also in die Hand und lassen uns mitziehen, oder besser: mittreiben. Die Saar ist eines jener Gewässer, die die Namen der an- liegenden Siedlungen erheblich beeinflussen. Vorbei an den lothringischen Sarrebourg, Sarrewald, Sarraltroff, Sarrewerden, Sarre-Union, Sarralbe, Sarreinsming, Sarre- guemines (Saargemünd) über die Grenze in Richtung Saar- brücken, Saarlouis, Saarwellingen, Saarfels, Saarhölzbach und wiederum Saarburg fließt die Saar, um dann irgendwann in die Mosel zu münden. Gerade in diesem letzten Ab- schnitt entwickelt sich der Flußlauf an einigen Stellen zur Sehenswürdigkeit. Wir erinnern an die Saarschleife bei Cloef als den Ort zum beschaulichen Verweilen und naturgenießenden Innehalten. Eine Schleife im Haarband der Natur. Hier wird der Fluß zum bedeutsamen Ereignis, nachdem er im langweiligen Lothringen die rechte Stärke und Breite gesammelt hat und entlang der schon deutschen Industriereviere auf den neuesten Stand, was Verunreini- gungen und Abwässer angeht, gebracht wurde. Schiffsver- kehr ist möglich zwischen Saargemünd und Dillingen, doch bietet die in Sarreguemines ansässige Schifferbörse kaum genügend Aufträge, um die einigen Dutzend Leute, die da- von leben, gut leben zu lassen. Zur Zeit denkt man daran, die Saar bis hin zur Mosel schiffbar zu machen, womit der Anschluß an die bundesrepublikanischen und europäischen Wassertransportwege geschafft wäre. Diese Verbindung käme den Saarländern sehr gelegen. Das Saarland nämlich, welches sich durch Volksentscheid erst 1957 von Frankreich ab- und Deutschland zuwandte, ist das jüngste der westdeutschen Bundesländer und als solches bis heute im Geruch der Halbheit und einer wankelmütigen Zugehörigkeit geblieben. "Die im Saarland", sagen die Bundesbürger, "die im Reich", sagen die Saarländer und sprechen "Reich" wie "Reisch" aus. Aber anders als die Elsässer, die sich zumindest seit der Grande Révolution im Herzen als Franzosen fühlen und immer dann okkupiert waren, wenn die Deutschen das Regiment führ- ten, nannten die Saarländer ihre Region ein besetztes Ge- biet, wenn es unter französische Herrschaft geriet. Nament- lich sind hier die Epochen von 1680-97 unter Ludwig XIV. und jene von 1801-15 unter Napoléon zu nennen, im 20. Jahr- hundert geschah es regelmäßig im Anhang an die Kriege. Es waren meistens schlechte Jahre, die die Franzosen im Ge- dächtnis zurückgelassen haben. 1935, als man ihnen freie Wahl ließ, haben sich die Saarländer denn auch mit über- wältigender Mehrheit zu Hitlers Deutschland bekannt. Worauf dann die Verfassung von 1947 nach dem überwältigenden Zu- sammenbruch die endgültige Hinwendung zu Frankreich vorsah. Erst als die Deutschen wirtschaftlich nach vorn schnellten, wobei das Saarland als französisches Gebiet das Nachsehen hatte, drängte man auf einen neuen Volksentscheid und ent- schied sich alsdann mit klugen sechzig Prozent Mehrheit fürs deutsche Wohlleben. Was mit dieser vorerst letzten Zugehörigkeitswahl noch nicht entschieden ist, ist die Frage, ob damit das Hin- und Hergeschiebe des Gebietes, welches wir hier besprechen, ein Ende hat. Und das Saargebiet hat ja einige Bedeutung. Es ist ja der Rede wert. Aufgrund der reichen Steinkohlevorkommen gehört es, wie das Ruhrgebiet auch, zu den wichtigsten mitteleuro- päischen Industriegebieten. Es ist eine Kapazität auf diesem Sektor. Welche Nation auch immer die Zugriffsrechte auf die Kohlengruben und die darauf basierenden Hüttenwerke besitzt, ist mancher Sorgen bei der Ressourcenbeschaffung ledig. So waren die Steinkohleflöze, die unsichtbar unterm welligen Hügelland verborgen liegen samt den unübersehbaren Arealen der Schwerindustrie den Deutschen 900 Millionen Franken wert, für die sie 1935 den Franzosen die Saarwirt- schaft abkauften. Die Rüstungsindustrie, die mit Hochdruck auf den kommenden Krieg hinarbeitete, benötigte Kohle, Ei- sen und Stahl. Mit dem Niedergehen der europäischen Schwerindustrie seit den siebziger Jahren sank auch die Bedeutung der Region etwas ab. Doch durch die zeitgemäße Umstrukturierung zur postindustriellen Wirtschaftsform (Datenverarbeitungs- und Dienstleistungsbetriebe werden gefördert und herangezogen), für die mit dem folgenden Sprüchlein an allen Saarbrücker Anschlagsäulen geworben wird:"Lassen Sie Ihre Ideen hier Stadt finden!" scheint die Krise weitgehend überwunden. Doch bekanntlich ist der schwierige Übergang von der Nut- zung der Muskelkraft zum klugen Gebrauch der Denkkraft nur selten ohne Rückschläge zu meistern. Immerhin existiert bei Saarbrücken eine Universität, - Hoffnungsträger in vielerlei Hinsicht -, die schon 1947 gegründet wurde, damals unter französischem Diktum. Der Geist der Gründerzeit offenbart sich zum Beispiel an der Pforte der philosophischen Fakultät, wo bis heute "Faculté des lettres" steht. Die Bausubstanz, der Kern der "Universität des Saarlandes" ist eine zu jener Zeit nutzlos gewordene Kaserne, um die man seither in der Architektur der jeweiligen Epoche die vielen Erweiterungsbauten ge- schart hat. Als vorläufiger Clou gilt hierbei die Errich- tung der Mensa in den achtziger Jahren, welche durch ihre architektonische Gewagtheit auffällt und in hübschem Gegen- satz zu den Kasernenbauten steht. Aber das veranschaulicht wunderbar das geistige Terrain, auf dem die hiesige Wissen- schaft gedeiht: Spritzigkeit und Disziplin, wovon man geneigt ist zu sagen, daß jene wohl mehr aufs französische Erbteil zurückzuführen ist und diese aufs deutsche. Indem wir nun mit einer gewissen Grazie, - wobei wir doch konsequent dasjenige im Auge behalten haben, was noch zu tun bleibt -; indem wir also mit einer geistreichen Kurvig- keit direkt auf unser Ziel losgegangen sind, hoffen wir die Aufmerksamkeit nicht nur auf das Band gelenkt zu haben, welches so unterschiedliche Landstriche und Ortschaften unter einen gemeinsamen Begriff bringt, sondern zugleich auf eine merkwürdige, komplexe Verbundenheit, die die An- wohner sowohl zur französischen als auch zur deutschen Seite aufgebaut haben. Sollte dies gelungen sein, dann ist der Fluß der Erzählung jetzt breit genug, daß der Leser in eines jener ungemein beque- men Rundfahrtschiffe umsteigt und auf vermutlich schon bräunli- chem Wasser, aber inmitten zweifellos grüner Hügellandschaften und unter blauestem Himmel tiefer in die Region eindringt, die wir uns zum Thema nahmen. Einige Warenschiffe begegnen uns. Wir winken zu den Kapitänen hinüber, unwirkliche Gestalten in abgerissener Kleidung. Wie wir wissen, ist die Auftragslage für die hiesige Schiffahrt nicht gut. Im Saarland von der Schiffahrt zu leben, hat im übrigen etwas Verruchtes an sich. Der rechte Beruf des Saar- länders nämlich ist der Bergmannsberuf. Traditionsgemäß ent- schließen sich tausende junger Burschen, diese erd- und heimat- verbundenen Arbeit zu ergreifen, wiewohl die Zahl natürlich im Wandel zur neuen Zeit stark nachläßt. Aber es sind immer noch weit mehr als in anderen Regionen, und wir sind die letzten, die sie von dieser redlichen Wahl abbringen wollen. Bleibt an- zufügen, daß der Bergmannsberuf keiner großen Zukunft entgegen- sieht und daß er wohl bald durch den des Programmierers ersetzt werden wird. Wir kommen voran, so daß wir uns nach kurzer Zeit vor Völklin- gen befinden, diesem industriellsten Teil der Saargegend. Am Rande des Flusses sehen wir eine Gestalt sitzen, die die Hände vors Gesicht geschlagen hält. Wir getrauen uns nicht, auch sie winkend zu begrüßen. Ist es ein Arbeitsloser, der mit dem Ge- danken spielt, in die braune Brühe zu springen? Aber nein, es ist Ulrich Robert, den wir erspäht haben, ein dufter Typ, Grubenarbeiter in Völklingen. Er ist ein typischer Saarländer, und, sagen wir's nur frei heraus, wegen ihm sind wir bis hierher gefahren. Es ist ja immer so, daß man das Ab- strakte und Allgemeine schnell vergißt und einzig das Individu- elle im Gedächtnis bewahrt. Dies ist der Bonus der Erzählungen vor den Abhandlungen. Und wir, die wir nachdrücklich, ja tief- schürfend von unserer Materie Mitteilung geben wollen, ver- schmähen nicht, jenes Individuum herauszuheben, welches Kompli- ziertes vielsagend und dennoch auf leicht faßliche Art vereint. Von ihm, unserm Held, Ulrich Robert, den wir, im Ver- trauen gesagt, an dieser Stelle schon vermutet haben, soll nun vermehrt die Rede sein, und das ja nicht ohne Grund, denn schließlich ist er so fragwürdig und aufzeichnenswert wie un- sere gesamte Unternehmung selbst. Warum sitzt er hier mit allen Anzeichen der Verzweiflung? Noch können wir es nicht sagen. Oder sitzt er nur da und lacht, den Kopf in die Hände gestützt, was auf ein fast hemmungsloses Lachen deutet? Tja, wenn wir das nur wüßten! Seine Geschichte jedenfalls wollen wir erzäh- len, und vielleicht scheint es dann, daß wir ihn verstehen. Korrekt ausgesprochen wird Ulrich Robert auf folgende Art: Ul- risch Robähr (Robähr, weil der Vater aus dem Lothringischen stammt. Man hat dort noch Verwandte, so zum Beispiel einen Fuhrunternehmer Jacques Robert. Chaque jour de Metz à Paris). Es gibt niemanden, der diese Sprachweise seltsam fände, und Ulrich, der selten aus seinem Heimatort herausgekommen war, mußte fast nie seinen Namen korrigierend vorsprechen. Nur ein Franzose aus Forbach, der am gleichen Flöz wie Ulrich arbei- tete, wollte sich einmal bemühen und den Namen deutsch ausspre- chen, aber da gab's einen Rüffel von Ulrich. Er solle doch re- den, wie ihm's Maul gewachsen sei, dann wäre es gleich richtiger. Die andern Kumpel hatten dröhnend gelacht… Ulrich, unser Held, fuhr gerne untertage. Das war sein Leben: mit den muskulösen Armen den Preßlufthammer in das Karbonge- stein zu treiben, tagelang, wochenlang die ins Erdinnere füh- renden Schichten abzutragen; eine schweißtreibende Arbeit. Ob- wohl die Kohleförderung weitgehend automatisiert ist, gibt es noch einige wenige Häuer, die diejenigen Flöze abtragen, welche für die großen Gerätschaften zu schmal sind, trotzdem aber, der Vollständigkeit halber, nicht ausgespart werden sollen; Ulrich war einer dieser Letzten, die manuell, auf eigene Faust, die Kohle aus dem Erdreich förderten. Er wurde einge- setzt, wo die Maschinen unsauber gearbeitet hatten oder an den engen Endpunkten der Stollen, wo die Flöze so wenig mächtig waren, daß sich ein Ausbau kaum noch lohnte. Es machte ihm nichts aus, daß die Neonlampe, die neben ihm an einem Haken hing, die große Dunkelheit nur ansatzweise ver- trieb. Manchmal fiel der Strom für einige Zeit aus, dann saß er tief unter der Erde in Finsternis und Stille und wartete gedul- dig, bis er wieder ans Werk gehen konnte. Nein, ihm machte das nichts aus, er war Grubenarbeiter wie sein Vater, er konnte sich unter einer geregelten Arbeit am Tageslicht nichts vor- stellen, womöglich gar bei Sonnenschein. Licht, Sonne, blauer Himmel, das waren Dinge für den Feierabend, für die Freizeit, für andere Menschen… Schon eine Stunde nach dem Schichtbeginn sind Gesicht und Hände schwarz, das Vesperbrot kann Ulrich nur essen, indem er die Lippen negergleich vorstülpt, daß der Kohlenstaub nicht ans Käsebrot komme. Die Luft im Stollen ist unerträglich heiß und stickig, so daß man alle viertel Stunde den Schweiß abwischen muß, der über Stirn, Augen, Mund und Kinn fließt. Unerträglich ist das dauernde Jucken unterm Helm. Durch den entsetzlichen Lärm, den der Preßlufthammer erzeugt, wird der Kopf dick und taub und unbenutzbar. Die Ohrenschützer verrutschen sofort wie- der, nachdem man sie zurechtgerückt hat. Und doch: Ulrich fuhr gerne untertage. Er arbeitete in mehreren hundert Metern Tiefe, wobei ihm das Gefühl der über ihm lagern- den Millionen Tonnen Gesteins eigenartig ins Gemüt drückte, und eigentlich war dieses Gefühl ganz positiv. Es animierte ihn, noch tiefer zu kommen, noch weiter ins Unerforschte, Urweltli- che vorzudringen. Hätte man ihn gefragt, so hätte er solch komplizierte Gedanken, die wir ihm unterstellen, weit von sich gewiesen. "Isch tue doch nur meine Arbed" wären seine Worte gewesen. Er sah sich als schlichten Mann. Nach Schichtende trank er mit seinen Kumpels meistens einen Absinth, wobei man sich über den Lohn, über Autos und über Frauen unterhielt. Man hatte die Ge- wohnheit angenommen, eine schöne Frau als einen "Stein" zu be- zeichnen. "Sie ist ein Stein" sagte man, indem man das höchste der Komplimente vergab. Natürlich war dieser Ausdruck nahelie- gend. Die simplen Gemüter setzten ihre nächste Umwelt mit ihren nächsten Wünschen gleich. Das ist die Erotisierung der Arbeit und die Entdämonisierung der Schönheit. Zudem klingt in der Umschreibung die Herzlosigkeit der schönen Frauen an. Eine schöne Frau hat ein kaltes Herz, so kalt wie ein Stein. "Nicht unklug", denken wir und geben diesen Ausdruck hier wieder. Un- ter Grubenarbeitern gab es viele solcher Redewendungen, die von allen verstanden wurden. War der Absinth dann ausgetrunken, ging Ulrich nach Hause. Er wohnte in dem kleinen, einstöckigen Hause seiner Eltern, welche ihrerseits es vorzogen, ihren Le- bensabend im Altersheim zu verbringen. Ulrich lebte so alleine, wie er allein arbeitete. Sobald er die Haustür hinter sich zugezogen hatte, verschloß er auch die blauangestrichenen hölzernen Jalousien vor den Fenstern, damit die Helligkeit ihn weniger belästige. Im Lauf der Zeit war er menschenscheu, ja eigenbrötlerisch geworden. Zwar ging er manchmal abends ins Kino, aber viel mehr Vergnügungen kannte er nicht. Er hätte auch allzu sehr auf seine Finanzen obacht geben müssen. An Wochenenden fuhr er nach Metz, um seine Verwandten zu sehen und Gauloises blondes légères zu kaufen. Jeden ersten Sonntag im Monat besuchte er seine Eltern im Altersheim. Er war ein schlichter Mann und sein Leben war , wir haben es uns gleich gedacht, wie ein langer, ruhiger Fluß, auf dem er sich gleichgültig entlangtreiben ließ. Einmal hatte er ein Mädchen getroffen. Das war, bevor er Berg- arbeiter in Völklingen wurde. Vorher war er nämlich ehrenamtli- ches Mitglied in der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und verbrachte einen Sommer lang an den saarländischen Badeseen als Badeaufsicht. Es war eine schöne Zeit. Mit Freun- den lag man am Strand, in Badehose und T-Shirt, ließ den lauen Wind über sich hinwegstreichen und hatte die Wahl, den schönen Frauen mit ihren engen Badeanzügen hinterherzuschauen oder die Augen träumend zu schließen. Nur einer von ihnen mußte allzeit auf einem Hochsitz die Badenden überwachen, daß im kühlen Was- ser niemand einen Herzschlag bekam, oder ähnliches. Eines Tages in der Spätsaison war Ulrich an der Reihe. Er saß und spähte über die sich im Wasser Tummelnden hin, als er einen schwimmenden Stein, als er die schönste Frau erblickte. Sie schwamm im See, die langen blonden Haare leuchteten weithin über die Wellen, der blaue Badeanzug umschloß einen einladend anmutenden weichen Körper, die Bewegungen, mit denen sie übers Wasser glitt, schienen so selbstsicher und kraftvoll, daß es keinen Zweifel mehr duldete: dies war etwas Niedagewesenes. Und Ulrich sprang auf, sie zu retten. Mit einem Satz war er im Wasser, gleich darauf bei ihr, der rettende Griff, tausendmal bis zur Perfektion geübt, gelang ihm, so daß die Schöne bald auf dem sicheren Ufer geborgen, obgleich etwas erschöpft, da- lag. Sie empörte sich über Ulrich, doch als sich eine Großzahl an Schaulustigen um sie scharte, da wollte sie ihren Retter nicht bloßstellen und gab zu, um ein Haar ertrunken zu sein. Aber in der DLRG-Hütte, wohin Ulrich sie brachte, um ihren Puls zu messen, da échauffierte sie sich sehr über ihn, so daß er sie nicht gehen lassen konnte, denn der Puls war eindeutig zu hoch (was sich unser Freund schon gedacht hatte). Den restli- chen Sommer verbrachten die beiden gemeinsam. Um die Erinnerungen ist es folgendermaßen bestellt: Das Erlebte wandelt sich, so man es sich genießend vorstellt, zur Idylle. Diese bleibt und geht einem nicht mehr aus dem Kopf. Zur voll- gültigen Gegenwelt wird sie dann, wenn die Gegenwart nicht die Stärke aufbringt, sie zu verdrängen. Und man kann sich ja den- ken, wie eine Gegenwart , die sich meistens in Maschinenlärm und hartkantiger Dunkelheit befindet, dasteht im Vergleich mit jener Vorstellungswelt, in welcher die Liebe, das Licht und die Sanftheit das Sagen haben. Was Ulrich betrifft, ihn ging das nichts an. Er hatte die Sache mit dem Mädchen ganz einfach ver- gessen. Es war ja auch schon lange her. Wenn man ihn übrigens gefragt hätte, wie lange das schon her sei, er hätte es vermut- lich nicht gewußt. Untertage gilt der Tag nichts. Wen interessiert es, wie früh, wie spät wir's haben, welcher Wochentag heute ist, welches Da- tum? Die Hitze ist gleich im Sommer wie im Winter, pfeif' auf die Jahreszeit. Ulrich Robert, ein schlichter Mann, dem das Zeitempfinden un- terhalb der Erdoberfläche abhanden gekommen war, der sich immer tiefer eingrub, der nicht viel sah und nicht viel sehen wollte,

  • er leistete gute Arbeit.

Und doch war es mehr. Das Leben untertage, dies Gemisch aus Hitze, Staub, Schweiß, Dunkelheit, Lärm und Einsamkeit brachte ihn dazu, Visionen zu haben. Davon erzählte er aber niemandem. Indessen wird uns niemand abhalten können, von dieser unerwar- teten Besonderheit Ulrich Roberts zu erzählen. Er erdachte sich, während er den Preßlufthammer in das schwarz flimmernde Gestein trieb, den immer gleichen Traum. Er träumte vom tiefen Blau des Himmels, vom Blau des kühlen Meeres. Er träumte von einer Frau, deren Kleid vom Blau des Himmels und des kühlen Meeres durchwirkt ist. Das Kleid wird durch den lauen, erfrischenden Wind leicht an den Körper ge- drückt, und es ist ein Traumkörper. Das blonde Haar der visio- nären Gestalt wird gehalten und in Form gebracht durch ein Band in der Farbe des Kleides. Das träumte Ulrich im engen, heißen Stollen, wenn er sich ins Erdreich vorarbeitete und nur manch- mal innehielt, um die Ohrenschützer zurechtzurücken und den Schweiß von der Stirn zu wischen. Doch dann arbeitete und träumte er sogleich weiter: vom blauen Kleid, festliche Tracht, elegantes Ausgehstück, Stolz eines blonden Mädchens mit tief- blauen Augen. Da verging ihm der Lärm, und er fühlte sich nicht mehr schlicht. Er sah die Schönheit vor sich, wie sie sich mit offenen Armen zu ihm herbewegte, und er wollte zu ihr hin. Wen wundert es, daß er von den Steinen und Kohlestücken, die zu seiner rechten und linken Seite niederfielen, annahm, es seien Blumen und Pflanzen, welche auf anmutige Weise ihre Blüten und Blätter ineinander verschränkten, und so seinen Einbildungen den würdigen Rahmen gaben. Vom Traum, den er solcherart träumte, und der ihm die Zeit so süß entzog, daß er nicht wußte, quelle heure und quelle saison augenblicklich vorübertrieb, sprach unser Freund niemals. Die Wörter, das alles auszudrücken, hätten ihm gefehlt, worüber hinaus, im Falle des Gelingens, die Kumpels mit Spott nicht gespart hätten. Nein, er behielt seine Anwandlungen für sich, was natürlich dazu führte, daß er noch geheimniskrämerischer wurde. Aber man ließ ihm diese Marotte, das Abspalterische, gelten, und er war wohlgelitten. Eines Abends im Spätsommer nun treffen wir, die wir überall sind, wo etwas geboten ist, Ulrich, wie er, gerade aus dem Erd- innern kommend, durch Völklingen flaniert, eine Gauloise blon- de legère lässig im Mundwinkel kauend, aber gedankenschwer den Blick über die geschwärzten Fassaden der Innenstadt gleiten lassend. Er langweilt sich, fühlt sich weder wohl zuhause noch im Freien. In einem Straßencafé hat er schon einen Absinth zu sich genommen und auch wohl eine Zeitlang den amüsierwilligen Vorbeipromenierenden nachgeschaut, was ihm wenig Ablenkung ge- währt hat. Er fühlt seine Abgeschiedenheit von denen, die das leichtgewichtige Leben an der Oberfläche leben, die sich la- chend lieben und unbelastet lachen, die keine Sehnsucht verspü- ren und mit einem Achselzucken von ihren Gefühlen plaudern. Dieser Form der Oberflächlichkeit, die dem Leben so gut gewach- sen ist, kann er nicht auf den Grund kommen. Da ist seine Schlichtheit doch von anderem Format… So denkt er und hält inne, als er die Worte "Le grand Bleu" liest. Er ist vor dem kommunalen Kino der Stadt angekommen, wobei er die großbuchstabige Ankündigung für die heutige Vor- führung gelesen hat. Er tritt näher hinzu. "Le grand Bleu" heißt der Film, und er entdeckt den Untertitel "Im Rausch der Tiefe". Ulrich stellt sich vor den Schaukasten mit den Bildern aus verschiedenen Filmszenen und einigen Zeitungskritiken. Der Film ist von einem Franzosen, Luc Besson, soll auch in Origi- nalfassung hier im kommunalen Kino vorgeführt werden, wobei eigens vermerkt ist, daß das Filmband siebzig Millimeter breit sei, also in Breitwandversion zu sehen, und darüber hinaus mit Sechs-Kanal-Stereoton versehen sei. Auf den Filmphotos sieht man durchtrainierte Taucher, die, von teuren Jachten springend, sich in der tiefen Bläue des Meeres verlieren, umringt von Delphinen und exotischen Fischleibern, daneben furchterregende Steilküsten, die die kantige Kulisse einer badenden Frau bildeten, dann aber auch: ein junges Paar, das sich vor dem Hintergund eines offensichtlich südlichen Mee- res tief in die Augen schaut, und letztlich: ein martialisch aussehender Kerl mit romantischen Gesichtsausdruck vor einem Klavier an einem Swimming-Pool, kurz: es geht wohl um einen Tiefseetaucher, der eine irgendwie problematische Liebesge- schichte erlebt. Die eine Filmkritik, die ebenfalls im Schaukasten hängt, eine Photokopie aus " Der Völklinger Bote" spricht von einem Ereig- nis, einem Kultfilm etc. und gibt die Essenz in dem Ausdruck wieder, daß die Tiefe des Films in der tiefschürfenden Erkennt- nis liege, daß das feste Band der Liebe schwächer sei als das der Leidenschaft, zumal dann, wenn sich die beiden unglückli- cherweise nicht an dasselbe Objekt knüpften. Ulrich schüttelt über diese Banalitäten den Kopf… Er löst eine Eintrittskarte, obwohl er skeptisch der Dinge harrt, die da kommen sollen. Eine Zigarette im Mund, die ihm keiner verbietet, setzt er sich in eine der letzten Reihen, nahe am Ausgang, damit er, wenn's zu versponnen werden sollte, flüchten kann. Es ist nun so, daß sechs Tonkanäle und ein erheblich erweitertes cineastisches Sichtfeld niemals ohne Eindruck auf den Zuschauer bleiben: seine Sinne sind betört und er also auf alle Fälle beein- druckt. Das Geschehen reißt ihn fast ebenso unmittelbar mit wie das laute und dreidimensionale wirkliche Leben. Wenn nun aber die Hand- lung des Films die Qualität des echten Lebens übertrifft, weil man in Filmemacherkreisen die Möglichkeiten zur Planung und zur richtigen Perspektive ergriff, dann lebt man als Betrachter unter den genannten optimalen technischen Bedingungen zeitweise ein erhöhtes, ein erhabenes Leben. Dazu ist der Sinn für Symbole, den wir bei Ulrich ja voraussetzen können, allerdings erforderlich. Es ergibt eine Art sinnliches und gedankliches Wechselspiel, welches den sensiblen Betrachter ganz in die eigenen Gesetzmäßigkeiten hineinzieht, indem ihm das Hören und Sehn der Außenwelt vergeht. Der Anspruch auf Wahrscheinlichkeit hingegen würde das Spektakel um den Effekt bringen. Die vielfältigen Möglichkeiten des Films entheben diesen unter Umständen auch, eine logisch-stringente Handlung vorweisen zu müssen. Sind die technischen Mittel so klug eingesetzt, daß die Symbolwelt des Films jede andere sowieso untragbar macht, dann ist es auch nicht nötig, ein motiviertes Handeln aufzubieten. Dieses ist unverzichtbar bei wirklichkeitsorientierten Filmen, langweilt aber in den großen, den symbolischen Kunstwerken. Nun kann man einem schlichten Zuseher, wie es beispielsweise Ulrich einer ist, solche theoretisierenden Gedanken kaum abverlangen. Er hält sich viel lieber an die handelnden Personen und schaut mal, ob die symphatisch sind und was die so zu sagen haben. Ulrich fand die Hauptperson Jacques Mayol toll. Nicht nur, daß dieser ein guter Taucher war und mit der Tiefe auf Du und Du stand, gleich wohl auch gefiel ihm die Mobilität, an so vielen Schauplätzen der Welt zu sein. Ach, manchmal wäre Ulrich auch gerne aus dem Saarland heraus- gekommen. Beim Anschauen des Films fühlte er die Schwere seines begrenzten Lebens. Geradezu innig rührte ihn die Einsamkeit des Helden an, die Einsamkeit vor einer großen Aufgabe (in diesem Fall: die Weltmeisterschaft im freien Tauchen, immer tiefer, auf die Ge- fahr hin, das Leben unter solch einem unmenschlichen Druck zu ver- lieren), der man nicht entkommen kann und will, und vor der einen auch die Liebe einer Frau nicht bewahrt. Oh, Jacques wurde in der Tat geliebt. Leicht hätte er seinem gefährlichen Tun entsagen und ein glückliches, bürgerliches Leben an der Seite seiner schönen Frau beginnen können, etwa als Tauchlehrer, der seine Schüler dann vor der Unbill der Tiefe warnt. Jedoch mit einer fast schon seltsam anmutenden Unberührtheit vor der lebensfreundlichen Sphäre des Weiblichen trieb es ihn, als würde er die Alternative nicht erken- nen, in jene atemberaubenden, dunklen Bezirke des Meeresinnern. Ulrich Robert merkte, wie ihm hier in einer unheimlich zu nennenden Steigerung gleichsam das eigene Leben vorgeführt wurde. Die poetische, erschreckende Schönheit der Bilder nahm ihn mit und trieb ihn in Regionen, die ihm wohlbekannt und gänzlich neu waren. Hätte er zwischendurch auf die Uhr geblickt, so wäre er überrascht gewesen, wie wenig Zeit diese aufwühlenden Bilder des Filmes benö- tigten. Gerade mal drei Stunden, alles in allem, dauerte die Aben- teuerfahrt des Völklingers in die diversen seelischen Tieflagen. In solch kurzer Spanne bekäme er während der normalen Arbeit unter- tage kaum einen einzigen rechten Gedanken zusammen, und hier tut sich plötzlich so vieles… Das Ende der Vorführung war noch nicht erreicht, als unser Held den Raum verließ. Er erahnte einen Schluß, bei dem er lieber nicht anwesend sein wollte. Auf der Straße vor dem kommunalen Kino Völklingens zündete er sich zunächst eine Zigarette an, worauf er dann nachdenklich heimschlenderte in sein einstöcki- ges Haus mit den blauangestrichenen Jalousien. Aber irgendwie blieb ihm das Kunstwerk des Herrn Besson im Gedächtnis haften, auch den ganzen folgenden Tag, auch während der Arbeit, die er unter Schweiß und Visionen hinbrachte. Es ist an jenem folgen- den Tag, an dem wir Ulrich Robert, den duften Typ, seines Zei- chens Grubenarbeiter in Völklingen, an der Saar sitzend, an- treffen, wir, die wir in Urlaubsstimmung auf unserer Rundfahrt eben hier vorbeikommen. Hat er nun die Hände vors Gesicht ge- schlagen, weil er so lachen muß, hemmungslos lachen muß, oder weil's ihm elend geht? Hoffen wir, daß er sich nicht mit dem Gedanken trägt, in die Saar zu springen; das wäre kein guter Entschluß, und die DLRG wäre wohl auch nicht zur Stelle. Was uns betrifft, wir werden in Dillingen das Schiff mit den ungemein bequemen Sitzen verlassen und zu Fuß weiter saarabwärts wandern, mindestens bis zur schönen Schleife im Haarband der Natur, wo der Fluß zum Ereignis wird, bei Cloef, oder aber noch weiter: bis zur Mosel mit ihren Weingegenden.

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Die Ähnlichkeit der Augen oder des Mundes

bei den ganzen Leuten, die man ankuckt, rührt wohl daher, daß es früher Könige und Adelige und Vögte gab, die sich unerhört vermehrten, wie etwa hier der Herzog Carl Eugen von Württemberg, der hunderte von Kindern erzeugte. Oder aber noch andere Samenvielverteiler, die in Kriegen, Hierarchien und als mitreisende Männer im Schaustellerbereich ihre gesellschaftliche Dominanz ständig erarbeiteten.

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Created: 2018-04-10 Di 21:14

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