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Msg : 21 of 373 Uns Loc
Von : Volker Linke 2:944/33 Die 13 Sep 94 15:13
An : All
Betr : Kulturreport
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.INTL 2:944/33 2:944/33
.MSGID: 2:944/33.0 e75f8334

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Schnaiter Weinfest '94

Um es gleich zu sagen: immer noch wurden die Bänke am Keltereingang zu eng gestellt, so daß der Stau gegen 23 Uhr wieder sehr ernst wurde. Die Verantwortlichen scheinen nichts aus den Ereignissen der letzten Jahre gelernt zu haben. Etwas besser ging es im Zeltanbau zu, welcher ja bekanntlich seit dem großen Umbau und dem daraus resultierenden Feierfehlplatz notwendig wurde. Hier ging es ruhig und gewissenhaft beim Trinken, Schreien und Schunkeln zu. Bewährt haben sich wieder die preßholzverstärkten Tische und Bänke vor der Bühne, die auch bei "Du schöner deutscher Wald" nicht zusammenbrachen. Der Sekt war, wie immer, schlecht.

Die Dorfjugend nahm sich dieses Jahr etwas weniger ruppig und laut aus, was zu allgemeiner Enttäuschung stark bemerkt wurde. Selbst die gegen 23 Uhr am Eingang Stehenden bekamen keine absichtlichen Ellbogenschläge gegen den Glashaltearm. Die Stuttgarter Studenten tranken heuer übrigens allesamt eher im Stehen, was eine Mode ist, die sich kaum lange halten dürfte. Der aus Kirchberg/Murr angereiste Musikverein war im Vergleich zu den versammelten Schnaiter Musikanten so leise, so daß ihm der diesjährige Dezenzpreis zugeht. Der Schnaiter Musikverein machte indessen an Lautstärke wett, was der Kirbejahrgang zu wünschen übrig ließ. Insgesamt jedoch erfreulich die Professionalität der Musik, selbst die Blechbläser hielten in den frühen Morgenstunden noch fast alle hohen Töne. Wogegen die Vereinsuniformen teilweise etwas ungepflegt wirkten. Der Wein: gut. Der Sprudel: billig. Der Sekt: wurde schon erwähnt. (In einem Weinfest muß der Sekt freilich nicht notwendig gut sein, aber da unterscheidet sich eben das Schnaiter Weinfest vom Hamburger Weindorf, wo der Sekt eben _auch_ trinkbar ist.)

Der Alte-Bekannte-Treff-Koeffizient ist beim Schnaiter Weinfest etwas gesunken, was nicht gegen es spricht. Immer mehr Zugereiste und Reingeschmeckte machen ein fast schon internationales Flair aus. Etwas störend allerdings die damit verbundene Zunahme der Schunkelanmache, was höchst unoriginär ist. Ein kleiner Tadel an die Verantwortlichen der Beleuchtung: die mit einem schlechten Neunnadler erstellten Speisenpreisliste über der Kasse waren ab 21 Uhr kaum noch zu lesen. Einzig "Currywurst 3.80" war wirklich gut zu erkennen. Die Organisation beim Ausschank blendend, bei der Essensausgabe mittelmäßig, - in Zeiten des Andrangs waltete zuwenig Voraussicht beim Wurstnachlegen. Die Toiletten waren gemäß den Vorgaben des Ordnungsamtes aufgestellt: ein wenig mehr gestalterische Liebe bei der Inneneinrichtung hätte dem Fest eine zusätzliche freundliche Note verliehen. Aber selbstverständlich genügte das Vorhandene. Die inoffiziellen Pinkelplätze hinter der Kelter nahe am Bach hatten genug Restlicht, so daß also doch wieder nahezu ideale Zustände herrschten. Der Feldschütz tat sein Bestes, um die 30-Stundenkilometerbegrenzung für die Autos auf der Hauptstraße eingehalten werden zu machen, leider wurde er gegen Mitternacht vermißt, so daß einige der Heimfahrenden wie üblich die Rituale des Motoraufheulenlassens und Bei-laufendem-Motor-noch-ein-wenig-Herumschreien ausübten.

Fazit: Das Schnaiter Weinfest markiert nach wie vor _das_ kulturelle Ereignis im Schweizerbachtal.

--- Quiche suebe 2.12 ---
* Origin: No time for human business. (2:944/33)


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Last modified: Wed Feb 10 16:47:01 MET 1999