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Poetischer Nihilismus

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Peripatos

L'idée vient en marchant

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(illustration par Sophie Albrecht)

Peripatos

Bel Ami

Forestiers Abwesenheit machte die Stellung Duroys in der Redaktion der Vie Française noch einflußreicher. Außer den Lokalberichten unterzeichnete er auch mehrere Leitartikel, denn der Chef verlangte, daß ein jeder die Verantwortung für seine Aufsätze selbst trüge. Er hatte hin und wieder kleine Zeitungsfehden, die er stets geistreich und geschickt durchfocht, und seine fortwährenden Beziehungen zu Staatsmännern bereiteten ihn allmählich darauf vor, ein gewandter und scharfblickender Redakteur zu werden.

Guy de Maupassant - 7. Kapitel, aber auch Das wilde Schaf von Michel Deville.

02.01.2020, aktualisiert vom Februar 2006 (src)

Bel Ami

Forestiers Abwesenheit machte die Stellung Duroys in der Redaktion der Vie Française noch einflußreicher. Außer den Lokalberichten unterzeichnete er auch mehrere Leitartikel, denn der Chef verlangte, daß ein jeder die Verantwortung für seine Aufsätze selbst trüge. Er hatte hin und wieder kleine Zeitungsfehden, die er stets geistreich und geschickt durchfocht, und seine fortwährenden Beziehungen zu Staatsmännern bereiteten ihn allmählich darauf vor, ein gewandter und scharfblickender Redakteur zu werden.

Guy de Maupassant - 7. Kapitel, aber auch Das wilde Schaf von Michel Deville.

Wenig Neues gibt es zu berichten

Erkenntnis ist der Blitzgedanke…

  • … in der Sprache. Manchmal erhellt ein Sprachgedanke das ganze eigene Dasein für eine Sekunde.
    • Aufschreiben oder laut Sprechen in der gegebenen gleichen Zeit ist das Ziel der Geistesgegenwart
      • aber das klappt niemals.

Sie kamen aus dem Ritz

Sie kamen aus dem Ritz. Es war ein milder Abend, und sie setzen sich auf eine Bank in der Fußgängerzone.

Eine Gruppe von jungen Machos kam vorbei und einer, der ein großes SM auf die Lederjacke gesprayed hatte, vergaffte sich in sie.

"Wie soll man jemanden lieben, der immerzu solch ein Geschmeiß anzieht?" fragte Wolfgang Mareen.

"Was kann ich dafür, daß ich angekuckt werde?" fragte Mareen.

"Was kann ich dafür, daß wir nie unter uns sind?" fragte Wolfgang.

"Du brauchst nicht mit mir weggehen." sagte Mareen.

"Ich will aber mit Dir weggehen", sagte Wolfgang. "Ich mag Deine Gesellschaft. Es ist ja bloß so, daß ich in Dich verliebt bin."

"Und da geht es also nicht, daß Du die Typen einfach ignorierst?"

Der Macho mit dem SM-Schriftzug war stehengeblieben, weil er gemerkt hatte, daß sie sich stritten. Er kam herüber.

"Habts ihr Ärger? Will dieser Typ was von Dir?" fragte er Mareen.

"Was hab ich gesagt?" sagte Wolfgang. "Einfach ignorieren, haha, wie denn? Meinst Du, die haben ein Gefühl für Stil oder Takt? Die sehen Deine blonden Haare und Deine Figur. Ist das Normalität, wenn man mit Dir durch die Stadt geht?"

"Ja bitte!" sagte Mareen, "mich hats bisher noch nicht gestört. Meinst Du, ich würde mich auf sowas einlassen?"

"Was weiß ich?", sagte Wolfgang. "Wenn man jeden Tag hundertmal die Chance dazu hat, ist einmal weiß Gott nicht oft."

Der SM-Typ war irritiert und verzog sich wieder.

"Und wie hast Du mich kennengelernt?" fragte sie. "Nicht auch, weil Du mich hübsch fandest?"

"Du weißt selber, daß wir uns durch die Mitfahrgelegenheit kennengelernt haben. Nicht weil ich Dich angemacht habe, sondern weil wir im gleichen Ort wohnen und ich ein Auto habe, haben wir uns kennengelernt."

"Aber Du hast die Preise für mich so niedrig gemacht, daß ich immer mit Dir mitgefahren bin."

"Aha", sagte er, "findest Du? Ich sag Dir mal was: meine Preise waren für alle gleich, die mitgefahren sind. Selbst für Markus."

"Ja klar, aber für den hattest Du ja bald keinen Platz mehr im Auto." sagte Mareen.

"Ja und? Sollte ich euch beide verkuppeln? Immerhin hatte ich das Gefühl, daß vor allem wir beide uns sehr amüsant unterhalten hätten. Aber ich hatte im geschlossenen Auto wohl einen falschen Eindruck von den witzigen Dialogen mit Dir bekommen. Denn im Alltag ist man ja nicht allein mit Dir. Und selbst, daß ich im Auto keinen mehr mitnehme, wirfst Du mir vor. Wir sind nicht wirklich ein Liebespaar, oder?"

"Spinnst Du? Ich meine aber nur, daß Deine ewige Abschottung zu nichts führt. Wieso ist es denn nicht möglich, daß wir mal ein paar neue Leute kennen lernen und uns trotzdem gut unterhalten und uns gern mögen. Wieso sollte das nur möglich sein, wenn wir uns von allem ausschließen?"

"Ganz einfach. Weil es kein Gespräch gibt, wenn Du dabei bist. Daß es jeder mit Dir probieren möchte, ist ja normal. Daß Dir das schmeichelt, ist auch normal. Aber was soll ich dann dabei? Zukucken, wie sich ein Flirt entwickelt? Und wenn sich keiner entwickelt, dann den Unterhalter spielen? Sorry."

"Mir scheint, Du kannst an nichts anderes denken."

"Wie sollte ich? Ich sehe Dich ja vor mir. Du siehst umwerfend aus - aber kann man so jemanden lieben? Und geschminkt hast Du Dich auch noch! Du bist ein öffentliches Geschöpf. Deine Schönheit ist für jeden, und Du achtest auch noch sehr genau drauf, daß sie voll zur Geltung kommt. Wir können froh sein, daß nur ab und zu ein Blödmann sich hertraut."

"Jetzt wirf es mir noch vor, daß ich Lippenstift nehme! Du gehst doch auch mit einer anderen in die Schreibwerkstatt, und ich lebe damit."

"Du mußt nur gegen eine ankommen, ich muß gegen alle antreten, die Dich überhaupt sehen. Meine Aufgabe ist ungleich schwerer. Jeder, der da rumläuft, könnte witzig sein oder Dich in einer schwachen Minute erwischen oder einfach das Richtige sagen."

"Wer sagt mir, daß Du nicht auf der Straße fremde Frauen ansprichst?"

"Weil ich Achtung vor ihren Freunden habe. Es ist stillos, auf der Straße Frauen anzusprechen, doch bei dir sehe ich, daß es tausende trotzdem tun."

"Echt strange. Du sagst, Du hast Achtung vor ihren Freunden und sprichst sie deshalb nicht an? Ich glaube es nicht, daß Du so etwas albernes sagst." sagte sie.

"Ich bin diese Problematik langsam wirklich leid", sagte Wolfgang, "können wir nicht heimfahren und eine Nacht darüber schlafen. Vielleicht ist mein einziger Ausweg ja wirklich der, daß ich dich mit einer Laubsäge umbringe."

"So kurz vor dem Vordiplom?" meinte Mareen. "Das wäre albern."

Wer anderen helfen will, hilft sich oft nur selbst.

Der militante Altruismus

  • oder als alternativer Name: Zwangsbeglückung,
    • ist eine Art des Altruismus, die nicht nachfragt, ob eine Wohltat gewünscht ist.
  • Das ist keine freundliche Einstellung gegenüber dem, der leidet,
    • sondern eine moralische und manchmal physische Vergewaltigung.
  • Das ist ja hoffentlich kein Standard im Medizin- und Pflegesystem.
    • aber oft in der privaten Pflege.

Anderen Leuten in Not zu helfen,

  • sollte immer noch in unserer DNA stecken,
    • mag man hoffen.

Immerzu Netz-alert

Was mancheinen wundert, und vor allem mich selbst,

  • ist ja, daß die Menschen mit ihren Windows-Computern in den asozialen Webseiten sich so gern aufhalten.
    • und sie tun das, um meistens beschimpft und sprachlich desavouiert zu werden.
      • Ich kann das nur als Sado-Maso-Spiel wahrnehmen, das ich selbst nicht mitspielen möchte.

Geteiltes Leid

"Professioneller Umgang"

ist immer ein perverser, weil rein sachlich finanzieller Umgang,

  • der immer abseits des menschlichen Mitgefühls agiert.

Die Perversion beginnt immer da, wo ein zeitliches und statisches Verhalten eines Dienstleisters (Staat, Industrie, Wirtschaft, Mittelstands-Clans) gilt, und das Denken sich nur auf ein mächtiges egoistisches Machtziel richtet, während das Leben insgesamt beachtet werden müßte mit mehreren Nuancen.

In der Antike und im Mittelalter gab es zu allen Zeiten die Handwerker- oder Kaufmannsfamilien, aber immer auch die Kriege und dahinter immer den Tross.

  • und die waren im Gesamtverhalten genauso schlimm wie der heutige Tross.

Kommentar eines Lesers

Diese Seite ist schlecht gewartet, und das Layout ist völlig obsolet. Eine Redaktion mit mehr als einer Person wäre wünschenswert. Aber man sieht einige gute Gedankenentscheidungen.

Immer zufrieden ist falsch zufrieden.

Drehbuchschreiber

reißt Euch mal zusammen, die Leute glauben an ihren Endgeraeten schon an Eure Welt, die sie ja im TV sehen, verdammt.

Und Ihr schreibt das zusammen, was falsche und religioese Vorurteile immer Vorschub leistet.

Es gibt immer Berufe, in denen sich die Gesellschaft spiegelt, derzeit bei Euch, Drehbuchschreiber!

Ihr wisst schon: Überwindet die Seifenwelt.

30.11.2019, aktualisiert vom November 2019 (src)

Nicht doch!

Gängige Werbung umdeuten ins Subversive.

  • TV-Spots bieten sich an (als wahre kommunistische Manifeste)
    • Müll als Rohstoff, das ist immer die Zukunft.
      • Hochkultur kommt langfristig immer aus der Gosse.

Und es liegt nahe die gängige Werbung umzudeuten.

  • Die gängigen Werbealgorithmen laufen eh immerzu ins Leere.

Was die Osterinseln ausmacht.

Das Internet ist unter der Vorherrschaft des Webs

  • kein Medium des kritischen Denkens,
    • sondern einfach nur eine Verkaufsplattform
      • von arbeitgeberfreundlichenn Produkten und der dazugehörigen konsumierenden Politik.
  • aber es gibt ja auch den IRC und die Email.

Mitteilungstrieb

"Der Trieb sich mitzuteilen muß den Menschen, der noch allein ist, gegen lebende Wesen außer ihm, vornehmlich diejenigen, die einen Laut geben, welchen er nachahmen und der nachher zum Namen dienen kann, zuerst zur Kundmachung seiner Existenz bewogen haben", Anf. d. Menschengesch. 1. Anm (VI 50f.). Vgl. Geschmacksurteil (Mitteilbarkeit des ästhetischen Zustandes an andere), Humanität

(aus: R. Eisler, Kant Lexikon)

Die Gesellschaft funktioniert sowieso immer.

Schlechtes unterstützt ja niemand,

  • kein Mensch täte das je bewusst,
    • und natürlich weiß die herstellende Industrie das auch,
      • und richtet sich danach.

Das geht sehr gut.

Das Debakel der falschen Bildersprache

Verwirrt durch Bilder in der Welt
und Bilder in der Wirrung aller Welten,
im TV,
vernarrt sich alles,
was an Eloquenz die Rettung wäre,
doch die Rhetorik fürs TV ist ebenfalls vergiftet
wie die Bilder.

Nachzudenken dem, was klar gedacht und
glücklich strukturiert
zur menschlichen Kontrolle dieser Welt
einmal glaubhaft war. Gedankenkraft und
Denkverbindlichkeit,
die keiner mehr vermißt.

Doch selbst die Bücher,
die neu geschrieben werden, Fachliteratur,
bilden wieder nur die Bilder ab der visionärn Autorn,
die als Kind im Fernsehn Flipper sahn,

und sich nun in den falschen Bildern tümmlern.

(Aus: Gedichte für Übersetzer.pdf)

12.11.2019, aktualisiert vom Juni 2017 (src)

Ironie

ist wie eine Maske, die irgendwann festklebt. Der Esprit, der in der Uneigentlichkeit der nachgeahmten und verspotteten schlechten Sprechweisen einmal lag, wird vergessen werden und zum neuen Ernst. Dies geschieht fast jedem, der sich der Ironie im frühen Lebensalter schon verschrieb. Der Ausweg aus dieser Misere liegt darin, goethisch klar zu werden, bevor man selbst zu dem wird, was man einmal ironisch brechen wollte. Die klare unaufgeregte Prosa des älteren Goethe zu imitieren ist auch nicht die letzte Philosophie, aber immerhin origineller als die Sprache der Heerscharen der Ironiker, die man derzeit allerorten hört.

Annegret Kramp-Karrenbauer als Kriegsministerin der CDU

Weit vom Schuß

Bei den Meldungen über Luftangriffe fehlen selten die Namen der Firmen, welche die Flugzeuge hergestellt haben: Focke-Wulff, Heinkel, Lancaster erscheinen dort, wo früher einmal von Kürassieren, Ulanen und Husaren die Rede war. Der Mechanismus der Reproduktion des Lebens, seiner Beherrschung und seiner Vernichtung ist unmittelbar der gleiche, und demgemäß werden Industrie, Staat und Reklame fusioniert. Die alte Übertreibung skeptischer Liberaler, der Krieg sei ein Geschäft, hat sich erfüllt: die Staatsmacht hat selbst den Schein der Unabhängigkeit vom partikularen Profitinteresse aufgegeben und stellt sich wie stets schon real, nun auch ideologisch in dessen Dienst. Jede lobende Erwähnung der Hauptfirma in der Städtezerstörung hilft ihr den guten Namen machen, um dessentwillen ihr dann die besten Aufträge beim Wiederaufbau zufallen.

Theodor Adorno - Minima Moralia, 1951

Karl Kraus, ein Zitat

Täglich Presseschau

Je größer der Stiefel, desto größer der Absatz.

Nett und arglos

Die charmantesten Menschen

die wissen, warum und wie sehr sie geliebt werden,

  • werden unweigerlich zu den Lobbyisten
    • der unympathischsten Industrien.
  • Das ist leider meistens so,
    • daß die Sympathie ins Gegenteil umschlägt,
      • das ist das Wesen des Kapitalismus,
        • denn der kann alles kaufen und tut es auch.

Du wirst es bereuen

Heirate, du wirst es bereuen; heirate nicht, du wirst es auch bereuen; heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen; entweder du heiratest oder du heiratest nicht, du bereust beides. Lache über die Torheiten der Welt, du wirst es bereuen; weine über sie, du wirst es auch bereuen; lache über die Torheiten der Welt oder weine über sie, du wirst es beides bereuen; entweder du lachst oder du weinst über die Torheiten de Welt, du bereust beides. Trau einem Mädchen, du wirst es bereuen, traue ihr nicht, du wirst es auch bereuen; trau einem Mädchen oder traue ihr nicht, du wirst beides bereuen; entweder du traust einem Mädchen oder du traust ihr nicht, du wirst beides bereuen. Erhänge dich, du wirst es bereuen, erhänge dich nicht, du wirst es auch bereuen, erhänge dich oder erhänge dich nicht, du wirst beides bereuen; entweder du erhängst dich oder du erhängst dich nicht, du wirst beides bereuen.

Sören Kierkegaard

10. Juni 2017

Unerhört!

"Er hat die wichtigen Positionen mit ihm genehmen Leuten besetzt"

  • Zitat aus einer Honecker-Doku im TV.

    • Möge man einen Fall sagen, indem ein Mächtiger die

    Posten mit ihm kritisch entgegenstehenden Leuten besetzt hat.

Die Lehrer vom Zwecke des Daseins.

Ich mag nun mit gutem oder bösem Blicke auf die Menschen sehen, ich finde sie immer bei Einer Aufgabe, Alle und jeden Einzelnen in Sonderheit: Das zu thun, was der Erhaltung der menschlichen Gattung frommt. Und zwar wahrlich nicht aus einem Gefühl der Liebe für diese Gattung, sondern einfach, weil Nichts in ihnen älter, stärker, unerbittlicher, unüberwindlicher ist, als jener Instinct, - weil dieser Instinct eben das Wesen unserer Art und Heerde ist. Ob man schon schnell genug mit der üblichen Kurzsichtigkeit auf fünf Schritt hin seine Nächsten säuberlich in nützliche und schädliche, gute und böse Menschen auseinander zu thun pflegt, bei einer Abrechnung im Grossen, bei einem längeren Nachdenken über das Ganze wird man gegen dieses Säubern und Auseinanderthun misstrauisch und lässt es endlich sein. Auch der schädlichste Mensch ist vielleicht immer noch der allernützlichste, in Hinsicht auf die Erhaltung der Art; denn er unterhält bei sich oder, durch seine Wirkung, bei Anderen Triebe, ohne welche die Menschheit längst erschlafft oder verfault wäre. Der Hass, die Schadenfreude, die Raub- und Herrschsucht und was Alles sonst böse genannt wird: es gehört zu der erstaunlichen Oekonomie der Arterhaltung, freilich zu einer kostspieligen, verschwenderischen und im Ganzen höchst thörichten Oekonomie: - welche aber bewiesener Maassen unser Geschlecht bisher erhalten hat. Ich weiss nicht mehr, ob du, mein lieber Mitmensch und Nächster, überhaupt zu Ungunsten der Art, also "unvernünftig" und "schlecht" leben kannst; Das, was der Art hätte schaden können, ist vielleicht seit vielen Jahrtausenden schon ausgestorben und gehört jetzt zu den Dingen, die selbst bei Gott nicht mehr möglich sind. Hänge deinen besten oder deinen schlechtesten Begierden nach und vor Allem: geh' zu Grunde! - in Beidem bist du wahrscheinlich immer noch irgendwie der Förderer und Wohlthäter der Menschheit und darfst dir daraufhin deine Lobredner halten - und ebenso deine Spötter! Aber du wirst nie den finden, der dich, den Einzelnen, auch in deinem Besten ganz zu verspotten verstünde, der deine grenzenlose Fliegen- und Frosch-Armseligkeit dir so genügend, wie es sich mit der Wahrheit vertrüge, zu Gemüthe führen könnte! Ueber sich selber lachen, wie man lachen müsste, um aus der ganzen Wahrheit heraus zu lachen, - dazu hatten bisher die Besten nicht genug Wahrheitssinn und die Begabtesten viel zu wenig Genie! Es giebt vielleicht auch für das Lachen noch eine Zukunft! Dann, wenn der Satz "die Art ist Alles, Einer ist immer Keiner" - sich der Menschheit einverleibt hat und Jedem jederzeit der Zugang zu dieser letzten Befreiung und Unverantwortlichkeit offen steht. Vielleicht wird sich dann das Lachen mit der Weisheit verbündet haben, vielleicht giebt es dann nur noch "fröhliche Wissenschaft". Einstweilen ist es noch ganz anders, einstweilen ist die Komödie des Daseins sich selber noch nicht "bewusst geworden", einstweilen ist es immer noch die Zeit der Tragödie, die Zeit der Moralen und Religionen. Was bedeutet das immer neue Erscheinen jener Stifter der Moralen und Religionen, jener Urheber des Kampfes um sittliche Schätzungen, jener Lehrer der Gewissensbisse und der Religionskriege? Was bedeuten diese Helden auf dieser Bühne? Denn es waren bisher die Helden derselben, und alles Uebrige, zeitweilig allein Sichtbare und Allzunahe, hat immer nur zur Vorbereitung dieser Helden gedient, sei es als Maschinerie und Coulisse oder in der Rolle von Vertrauten und Kammerdienern. (Die Poeten zum Beispiel waren immer die Kammerdiener irgend einer Moral.)

  • Es versteht sich von selber, dass auch diese Tragöden im Interesse

der Art arbeiten, wenn sie auch glauben mögen, im Interesse Gottes und als Sendlinge Gottes zu arbeiten. Auch sie fördern das Leben der Gattung, indem sie den Glauben an das Leben fördern. "Es ist werth zu leben - so ruft ein jeder von ihnen - es hat Etwas auf sich mit diesem Leben, das Leben hat Etwas hinter sich, unter sich, nehmt euch in Acht!" Jener Trieb, welcher in den höchsten und gemeinsten Menschen gleichmässig waltet, der Trieb der Arterhaltung, bricht von Zeit zu Zeit als Vernunft und Leidenschaft des Geistes hervor; er hat dann ein glänzendes Gefolge von Gründen um sich und will mit aller Gewalt vergessen machen, dass er im Grunde Trieb, Instinct, Thorheit, Grundlosigkeit ist. Das Leben soll geliebt werden, denn Der Mensch soll sich und seinen Nächsten fördern, denn! Und wie alle diese Soll's und Denn's heissen und in Zukunft noch heissen mögen! Damit Das, was nothwendig und immer, von sich aus und ohne allen Zweck geschieht, von jetzt an auf einen Zweck hin gethan erscheine und dem Menschen als Vernunft und letztes Gebot einleuchte, - dazu tritt der ethische Lehrer auf, als der Lehrer vom Zweck des Daseins; dazu erfindet er ein zweites und anderes Dasein und hebt mittelst seiner neuen Mechanik dieses alte gemeine Dasein aus seinen alten gemeinen Angeln. Ja! er will durchaus nicht, dass wir über das Dasein lachen, noch auch über uns, - noch auch über ihn; für ihn ist Einer immer Einer, etwas Erstes und Letztes und Ungeheures, für ihn giebt es keine Art, keine Summen, keine Nullen. Wie thöricht und schwärmerisch auch seine Erfindungen und Schätzungen sein mögen, wie sehr er den Gang der Natur verkennt und ihre Bedingungen verleugnet: - und alle Ethiken waren zeither bis zu dem Grade thöricht und widernatürlich, dass an jeder von ihnen die Menschheit zu Grunde gegangen sein würde, falls sie sich der Menschheit bemächtigt hätte - immerhin! jedesmal wenn "der Held" auf die Bühne trat, wurde etwas Neues erreicht, das schauerliche Gegenstück des Lachens, jene tiefe Erschütterung vieler Einzelner bei dem Gedanken: "ja, es ist werth zu leben! ja, ich bin werth zu leben!"

  • das Leben und ich und du und wir Alle einander wurden uns wieder

einmal für einige Zeit interessant. - Es ist nicht zu leugnen, dass auf die Dauer über jeden Einzelnen dieser grossen Zwecklehrer bisher das Lachen und die Vernunft und die Natur Herr geworden ist: die kurze Tragödie gieng schliesslich immer in die ewige Komödie des Daseins über und zurück, und die "Wellen unzähligen Gelächters" - mit Aeschylus zu reden - müssen zuletzt auch über den grössten dieser Tragöden noch hinwegschlagen. Aber bei alle diesem corrigirenden Lachen ist im Ganzen doch durch diess immer neue Erscheinen jener Lehrer vom Zweck des Daseins die menschliche Natur verändert worden, - sie hat jetzt ein Bedürfniss mehr, eben das Bedürfniss nach dem immer neuen Erscheinen solcher Lehrer und Lehren vom "Zweck". Der Mensch ist allmählich zu einem phantastischen Thiere geworden, welches eine Existenz-Bedingung mehr, als jedes andere Thier, zu erfüllen hat: der Mensch muss von Zeit zu Zeit glauben, zu wissen, warum er existirt, seine Gattung kann nicht gedeihen ohne ein periodisches Zutrauen zu dem Leben! Ohne Glauben an die Vernunft im Leben! Und immer wieder wird von Zeit zu Zeit das menschliche Geschlecht decretiren: "es giebt Etwas, über das absolut nicht mehr gelacht werden darf!" Und der vorsichtigste Menschenfreund wird hinzufügen: "nicht nur das Lachen und die fröhliche Weisheit, sondern auch das Tragische mit all seiner erhabenen Unvernunft gehört unter die Mittel und Nothwendigkeiten der Arterhaltung!" - Und folglich! Folglich! Folglich! Oh versteht ihr mich, meine Brüder? Versteht ihr dieses neue Gesetz der Ebbe und Fluth? Auch wir haben unsere Zeit!

Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Technische Zukunft ist technische Vergangenheit.

Gut zu wissen ist ja

dass die Zukunft der amerikanischen Startups

  • im Grunde nur die SciFi-TV-Serien der 70er und 80er Jahre
    • nun liefern.
      • Das ist ja letztlich langweilig.

Allzuviele Bilder überall

Die allzuvielen Bilder

sehen wir ständig und überall im TV und im Internet,

  • und falsch daran ist, daß wir die Bilder nicht mehr selbst erzeugen,
    • indem wir durch Sprechen oder Lesen
      • selbst imaginieren, -
        • denn nur das wären unsere eigenen Bilder,
          • an denen wir Sprache, Vernunft und Selbstbewußtsein lernen können.

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Created: 2020-01-05 So 19:09

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