Das Gegenstück

Daher ist jeder von uns das Gegenstück eines Menschen, weil wir wie die Schollen aus einem in zweie geschnitten wurden. Ewig sucht jeder sein Gegenstück. Alle männer, welche ein Stück von dem gemischten Geschlecht sind, das damals mannweiblich hieß, lieben das Weib. Die Ehebrecher entstammen diesem Geschlecht, und die Frauen, die den Mann lieben und ehebrecherisch sind, entstammen auch diesem Geschlecht. Und alle Frauen, die Stücke eines Weibes sind, richten den Sinn nicht sehr auf die Männer, sondern halten sich mehr an die Frauen, und diesem Geschlecht entstammen die Buhlerinnen. Alle, die Stücke des männlichen sind, folgen dem Männlichen, und als Knaben lieben sie, weil sie ja Teile vom Männlichen sind, die Männer und sind froh, wenn sie bei den Männern liegen und sie umarmen. Und diese sind die besten unter den Knaben und Jünglingen, weil sie von Natur die mannhaftesten sind. Manche sagen, sie seien schamlos, aber das ist Lüge, denn sie tun nicht aus Schamlosigkeit so, sondern aus Mut und Mannheit und Männlichkeit: das ihnen Ähnliche haben sie gern. Das ist sicher bewiesen: Denn diese allein landen, wenn sie zu Männern gereift sind, im Staatsleben.

Platon, das Gastmahl.

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