Lieblingsregisseur der Woche

ist der, der heute 85 wird und einen Jahrestag hat. Jahrestage sind etwas ganz furchtbar doofes. Aber er ist ja eigentlich ein konventioneller Künstler, der die bürgerlichen Dinge zum Inhalt nimmt, um über sie hinauszugelangen. Und so darf man heute an ihn denken, wenn man daran erinnert, wie sehr gedankenreich er in seiner Kunst ist, obwohl er das Leichte, Alberne und Charmante nie verabscheut.

Singen und Tanzen ist immer peinlich in Filmen, es sei denn, es wird von ihm inszeniert. Die Ausgelassenheit herzustellen ist die schwierigste Aufgabe, welche eine kontrollierte Vernunft erfordert, und wie schön ist es, die Welt so ausgelassen zu sehen im humanen Traum der Menschenvernunft. Er darf künstlich sein wie Molière, er kann überzogen sein wie Éluard, er ist so weise wie Montaigne, und dies in einem Medium, das verlockt, komplett dämlich zu sein: im Kinofilm. Er erzieht einen beim Filmeansehen dazu, mit der Welt zu fremdeln, weil sie so abstrus ist, und er holt einen zurück in sie, da er Schönheiten aufzeigt, die sehr unalltäglich sind, aber sehr wohl vorhanden, durch seine Sichtweise.

Daß die Welt nicht vollkommen im Dunkel begraben liegt in ihrer vulgären Gedankenlosigkeit, - daß es ein Vergnügen gibt, das nicht nur in der schlichten Gewöhnlichkeit ihr Auskommen findet, dazu trägt er bei in großem Maß.

Beglückend, daß 3sat Filme von ihm zeigt diese Woche.

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