Das Leben

als dialektisch bedingten Dauerübergangs- und Wartezustand zu erkennen und zu stilisieren, das ist maximalexistentialistische fifties.

Das aus den Kriegszeiten stammende Gefühl der gefährlichen Identität, durch die man dingfest gemacht und der Folter und dem Tod überführt wird; dieses Gefühl des Sichverleugnenmüssens und der Camouflage der eigenen Person, sich offenkundig machend durch eine Schriftstellergeneration der Pseudonyme; diese damalig gültige Furcht vor der Todesstrafe im Faschismus beim Eingestehen der eigenen, anderen, Lebensweise, führte zu einer eklatanten Abstraktion des Egos in den 50er Jahren, was zu einer Art Euphorisierung der Privatheit führt, eine Metaebene der Persönlichkeit, die in der Sorge um die Menschheit abstrakt aufging.

Neuerdings normalisiert sich dieser Zustand wieder, und man findet zu dem unaufgeregten eigenen Egoismus zurück, der so viel weniger an den politischen Ausnahmezuständen orientiert ist als die damalige Sprache, weswegen dieses Getue um Privatheit und Datenschutz zunehmend unverständlich wird. Das Leben ist kein Übergangszustand mehr, es bedarf keiner Tricksereien mehr um das eigene Ich. Die Zeiten sind uns wohlgesonnen. Wir dürfen ganz offen wir selbst sein und uns im Wissen sicher sein, als Bürger respektiert zu werden von den von uns gewählten Mächtigen. Privatheit ist nur nötig in schlechten Staatssystemen.Der Mißbrauch der Macht ist längst gebannt und nicht mehr möglich.

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