Bei den Werbern

"Hurtig, mein Herr! zu Tische. Wir zahlen nicht allein die Zeche für Sie, wir werden auch sorgen, daß es einem Manne wie Ihnen nie an Gelde fehlt. "Wozu sind die Menschen in der Welt, als einander beizustehn, unter die Arme zu greifen?" Wohl wahr! sagte Kandide, so hat mich der Herr Magister Panglos immer gelehrt, und ich sehe wohl ein, daß alles aufs beste gemacht ist. Man drang ihm etliche Taler auf; er wollt' ihnen dafür schwarz auf weiß geben; sie wollten's nicht. Man setzt sich zu Tische, ißt, trinkt. Nicht wahr, fängt der eine an, Sie sind ihm recht herzlich gut dem . . . Dem herzensguten engelhaften Kunegundchen? antwortet' er. Wohl bin ich's; ich liebe sie; bete sie an. "Nicht doch! den König der Bulgaren meinen wir, ob Sie dem recht herzlich gut sind?" Was wollt' ich? Ich kenn' ihn gar nicht, antwortete jener; hab' ihn nie gesehn. "Kennen ihn gar nicht! Haben ihn nicht gesehn! Den Mann nicht! Teufel! das ist der trefflichste Herr auf Gottes Erdboden! solchen König gibt's gar nicht mehr! Hallo! Er soll leben!" Das soll er! rief Kandide aus vollem Herzen, und stieß an. Wie er geleert, hieß es: Na, so wär's denn geschehn! Nun sind Sie Held! Die Säule der Bulgaren! Ihr Schutz und ihr Schirm! Die Schranken der Ehre stehn vor Ihnen geöffnet! Lorbeern ohne Zahl warten Ihrer!

Sogleich legte man ihm Schellen an die Füße und führte ihn zum Regimente.

Voltaire, - Candide

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