Ein Sommer auf dem Lande

Ein zerbrochener Zeh, ein verknackster Fuß, und das Auto hat keinen Katalysator und muß stehen bleiben. Komplette Bewegungslosigkeit. Aber ich erzähle von Anfang an:

Hitze. Zu fuß zur Kneipe. Wir stehen im Maulwurf und quatschen dies und das und kucken auf den überlasteten Kellner, der hin und her rennt. Wir reden über die Trägheit, die der Sommer so mit sich bringt, und die ganzen Veranstaltungen, die jetzt statt finden. Wir erwärmen uns bei dem Gedanken, ob das Leistungshüten in Bad Urach es lohnt, hinzufahren. Moderatoren haben ein legitimes Interesse daran, wie andere leistungshüten. Irgendwer drückt einem den Ellbogen gegen das Bier des Nachbarn.

Im Laufe des Abends wird es noch heißer. Der Kellner schwitzt alles voll. Wir reden von Romantik und bestellen Bier nach. Nur nicht ausfallend werden: Geschichten von Liebschaften kursieren durch die Menge; fast jeder kennt eine gute aus seinem Erlebenskreis, der eng ist. Man hört mit. Wir müssen rekurrieren, um nicht abzuschweifen, aber in der vollen Kneipe kommt man eh nicht weit. Am Nebentisch indes ein Kommen und Gehen: Pudel stimmen schweigsam, aber man hat ja Zeit. Ein Knoblauchbaguette, und schon kann die Unterweisung von Schäferhunden wieder Thema sein.

Wir hüten die Themen im parcours, die Menge sitzt anbei, wie die Ameisen, oder besser: wie die Schafe. Tips und Kniffe zur Tierquälerei, man schafft sich Platz, wenn man mit diesem Thema ausfallend wird. Schnecken tötet man, indem man Salz auf sie streut, schon gewußt? Dann trocknen sie aus.

Heiß, heiiß. Fidogespräche. Die unheilige Allianz der Wörter und der Worte. Wem erzähl ich was, und braucht das Netz diese Information? Am Bärensee haben sie das Schloß abgefackelt, gar nicht weit von hier. Unwichtig. Lieber den Bodensee aufwühlen. Dort ist der Hauptspaß angesiedelt. Das Saarland ist zwar wesentlich wohnlicher, aber da gibt es weniger Nodes.

Der Kellner kommt nicht nach. Jeder will was bei ihm bestellen. Er schuftet wie ein Tier. Ein unwilliger Gast unterweist ihn. Wir quälen ihn auch, indem wir abwechselnd bestellen. So hat er doppelte Wege. Da passiert es: einer von uns stößt sich den Zeh am Tischbein an. Und wir müssen zu fuß zurück!

Zur Schmerzlinderung muß wieder Fido bei Fuß. Romantik unter Schmerzen: das ist die wahre Romantik, und in Fido beißt der Schmerz ebenso, wenn sich das Private mit dem Öffentlichen mischt. Information tut weh, - und wird sie noch so hintergründig abgegeben. Nicht jeder erträgt den Sommer auf dem Lande. Über diese These lachen wir. Indiskretion ist das Futter, Andeutung die Nahrung der Romantik. Glücklich wirft uns der Kellner zur Sperrstunde aus dem Maulwurf hinaus.

Als wir zu fuß zurückgehen, verknackst sich einer von uns an einer der vielen dunklen Stellen im Stadtgebiet den Fuß. Der mit dem Zeh humpelt, lacht.

Am nächsten Tag ist Ozonalarm: ohne Katalysator darf uns das Auto nicht aufs Land bringen, - und wir wären so gern aufs Land gefahren, wo uns die Schäfer das Leistungshüten vorgeführt hätten.

Wir hatten uns schon dafür erwärmt.

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