Computertechnik (11/15/1998)

Der grundlegende Unterschied unserer Alltagskultur ist der zwischen

Textmodus und graphischem Desktop.

  • Desktop-Arbeit ergibt sich als Präsentation aller Angebote, die

der Computer in diesem Augenblick zu machen hat. Man kann sich inspirieren lassen von dem, was man auf einen Blick sieht. Kurzfristig kommt man schneller zum Arbeiten, langfristig hat man ein Anschauungsproblem am Hals, mit dem der Kopf wiederum zurechtkommen muß.

  • Preußische Tugenden versus Disney-Land: so spiele ich subversiv die

asketische Linux-Commandline gegen das "bunte" Windows-Klicki-Klacki aus und kann weltanschaulich Wind machen, indem ich alles auf die richtige Weise ordentlich verdrehe. Dem Affen Zucker geben macht immer Spaß, und die große Marktvorherrschaft von Windows veranschauliche ich gern mit der erneut großen Marktherrschaft der alten dummen Tugenden, die mal preußisch waren, und die in diesem Punkt tatsächlich die meinen sind. Ich meine, das muß man doch zum eigenen begrifflichen Vergnügen ausnutzen. So billig komme ich nie wieder in den Besitz nationaler Euphorie. "Asketisch gereinigt nutze ich die disiplinierende Klarheit der Befehlsempfängerzeile." Yeah, I do so. J'suis prusse!

  • Im Textmodus ergibt sich die Möglichkeit, möglichst ausgesprochen

ein definiertes Problem mittels Aneinanderreihung von Begriffen zu lösen. Abstraktions- und Erinnerungsvermögen und strategisches Denken sind dazu erforderlich und die eigentliche Bedeutung findet anstrengenderweise im Kopf statt. Der Textmodus ist insofern ideologiefreier und in einer effizienteren Form schwierig, weil der Computer sich in dieser Form mehr zurücknimmt und unvermittelt präsentiert.

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Emacs 25.1.1 (Org mode 9.0.5)
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